Ein Mähroboter muss zu jeder Zeit wissen, wo die Rasenfläche endet und wo er sich gerade befindet. Dafür gibt es heute vier Ansätze: den klassischen Begrenzungsdraht, satellitengestützte Ortung mit RTK-Korrektur, Kamera-Navigation (Vision) und LiDAR-Laserscanner. Viele aktuelle Modelle kombinieren mehrere davon. Welche Technik zu Ihrem Garten passt, hängt vor allem von Bäumen, Gebäuden, Licht und Mobilfunkempfang ab.
- Modelle in der Datenbank
- 30
- Mit Begrenzungsdraht
- 4
- Drahtlos
- 26
- Mit RTK
- 16
- Mit LiDAR
- 9
- Eigene RTK-Station nötig
- 2
Alle Zahlen beruhen auf Herstellerangaben in unserer Datenbank. Viele Modelle nutzen mehrere Techniken gleichzeitig, deshalb ergeben die Werte zusammen mehr als 26.
So funktionieren die vier Techniken
Begrenzungsdraht
Ein dünnes Kabel wird am Rand der Rasenfläche verlegt oder knapp unter der Grasnarbe eingegraben. Die Ladestation schickt ein schwaches Signal durch den Draht, der Roboter erkennt es über Sensoren und dreht an der Grenze um. Inseln wie Beete oder Bäume werden mit Drahtschleifen ausgespart. Klassische Drahtmodelle fahren meist nach dem Zufallsprinzip, einige ergänzen das durch Systematik.
RTK (Real Time Kinematic)
Normales GPS ist im Garten nur auf einige Meter genau. RTK verbessert die Satellitenposition mit Korrekturdaten einer Referenzstation auf wenige Zentimeter. Die Referenz kann eine eigene RTK-Antenne im Garten sein oder ein Netzwerk-RTK-Dienst, der Korrekturdaten über WLAN oder Mobilfunk liefert. Die Grenzen zeichnen Sie einmal per App ab, indem Sie den Roboter wie ein ferngesteuertes Auto am Rand entlang fahren.
Kamera (Vision)
Eine oder mehrere Kameras erkennen Rasen, Kanten und Hindernisse, meist unterstützt durch KI-Bildauswertung. Reine Vision-Modelle brauchen weder Draht noch Satellitensignal. In unserer Datenbank arbeiten der eufy E18 und der Worx Landroid Vision AI M600 laut Hersteller allein mit Kamera, bei den meisten anderen Modellen ergänzt die Kamera RTK oder LiDAR vor allem zur Hinderniserkennung.
LiDAR
Ein rotierender Laserscanner vermisst die Umgebung in 3D und erstellt daraus eine Karte. Der Roboter ortet sich anhand von Hauswänden, Bäumen, Zäunen und Hecken. LiDAR funktioniert auch bei schwachem Licht und braucht keinen freien Himmel, dafür aber genügend markante Strukturen in Reichweite.
Stärken und Grenzen im Vergleich
| Kriterium | Begrenzungsdraht | RTK | Kamera (Vision) | LiDAR |
|---|---|---|---|---|
| Installation | Draht verlegen, je nach Garten mehrere Stunden | Antenne aufstellen oder Netz-RTK aktivieren, Grenzen per App | Grenzen per App abfahren oder automatisch | Karte per App erstellen |
| Bäume und Hauswände | Kein Problem | Abschattung und Signalreflexionen möglich | Kein Problem | Hilfreich als Orientierung |
| Offene Fläche ohne Strukturen | Kein Problem | Ideal | Meist gut | Schwierig, wenig Referenzpunkte |
| Licht | Unabhängig | Unabhängig | Braucht Tageslicht, Gegenlicht kann stören | Unabhängig |
| Bahnen | Meist zufällig | Systematisch | Systematisch | Systematisch |
| Änderungen am Garten | Draht neu verlegen | In der App | In der App | In der App |
| Laufende Kosten | Keine | Bei Netz-RTK je nach Hersteller Abo | Keine | Keine (außer optionales Mobilfunk-Abo) |
| Störanfälligkeit | Drahtbruch, z. B. durch Vertikutierer | Empfangsprobleme, fehlende Korrekturdaten | Verschmutzte Linse, ungewöhnliche Flächen | Wenig Strukturen, Spiegelungen |
RTK im Detail: eigene Station oder Netzwerk-RTK
Bei der klassischen Variante steht eine Referenzantenne im Garten, idealerweise erhöht und mit freiem Blick zum Himmel, etwa auf dem Garagendach. Sie braucht Strom und muss Funkkontakt zum Roboter haben. In unserer Datenbank benötigen nur der Ecovacs GOAT O800 RTK und der Kärcher RCX 4 laut Hersteller zwingend eine eigene RTK-Station.
Beim Netzwerk-RTK kommen die Korrekturdaten aus einem Netz von Referenzstationen und gelangen über Internet zum Roboter. Das spart die Antenne, setzt aber stabilen Empfang voraus. Wichtig sind die Konditionen, die sich je nach Hersteller deutlich unterscheiden:
| Modell (Datenbank) | Netz-RTK und Mobilfunk laut Hersteller |
|---|---|
| Sunseeker Elite X5 Gen 2 | NetRTK+ 4G-Abo 24 Monate inklusive, danach 49 € pro Jahr |
| Sunseeker Elite X7 Gen 2 | 2 Jahre inklusive (X7 Plus Gen 2: 5 Jahre), danach 49 € pro Jahr |
| Segway Navimow i220 LiDAR Pro, X420 | Netzwerk-RTK ohne Zusatzkosten, Mobilfunk (Connect+) 1 Jahr kostenlos, danach 29,90 € pro Jahr laut Datenblatt |
| Mammotion LUBA 3 AWD 5000 | NetRTK über iNavi laut Hersteller lebenslang kostenlos, 4G-Daten 3 Jahre inklusive, danach Abo |
Lesen Sie bei Netz-RTK genau, ob nach der Gratisphase nur Komfortfunktionen wegfallen oder ob der Roboter ohne Abo nicht mehr navigieren kann. Modelle, die ohne eigene Antenne auskommen, finden Sie unter Mähroboter ohne RTK-Station, Geräte mit SIM-Modul unter Mähroboter mit Mobilfunk.
RTK unter Bäumen und an Hauswänden
RTK braucht Sichtkontakt zu möglichst vielen Satelliten. Dichte Baumkronen, Carports, schmale Durchgänge zwischen Häusern und hohe Wände schatten das Signal ab oder erzeugen Reflexionen. Der Roboter verliert dann die zentimetergenaue Position (oft als „Float“ statt „Fix“ in der App angezeigt) und stoppt oder fährt langsamer. Reine RTK-Systeme sind deshalb in stark verschatteten Gärten die schlechteste Wahl, Kombinationen mit Kamera oder LiDAR überbrücken solche Zonen.
Kamera und LiDAR: Stärken im verwinkelten Garten
Kamera und LiDAR orientieren sich an der Umgebung selbst. Genau dort, wo RTK Probleme hat, also unter Bäumen und dicht an Gebäuden, finden sie die meisten Anhaltspunkte. Unterschiede gibt es beim Licht: Eine Kamera braucht ausreichend Helligkeit und kann bei tief stehender Sonne, starkem Schattenwurf oder in der Dämmerung unsicherer werden. LiDAR misst aktiv mit Laser und ist von Tageslicht weitgehend unabhängig. Da Mähroboter aus Rücksicht auf Igel ohnehin tagsüber fahren sollten, ist die Lichtabhängigkeit der Kamera in der Praxis meist zweitrangig (siehe Igelschutz und Nachtmähverbot).
Schwachstelle von LiDAR sind große, strukturlose Flächen, etwa eine Wiese ohne Bäume und Zäune in Reichweite. Viele Hersteller kombinieren LiDAR deshalb mit RTK: In unserer Datenbank nutzen der Segway Navimow i220 LiDAR Pro, der Mammotion LUBA 3 AWD 5000 und der Ecovacs GOAT O800 RTK laut Hersteller alle drei Techniken. Eine Übersicht bieten Mähroboter mit LiDAR und Mähroboter mit Kamera.
Begrenzungsdraht: altmodisch, aber verlässlich
Der Draht hat keine Empfangsprobleme, keine Lichtabhängigkeit und keine Abo-Kosten. Er eignet sich besonders für Gärten, die sich selten ändern, und für Besitzer, die einmalig Arbeit investieren und danach Ruhe haben wollen. Nachteile sind der Verlegeaufwand, die Gefahr von Drahtbrüchen bei Gartenarbeiten und die meist zufällige Fahrweise, die sichtbare Streifenmuster verhindert, aber mehr Laufzeit braucht. In unserer Datenbank sind vier reine Drahtmodelle gelistet, darunter der Husqvarna Automower 315 Mark II und der Stihl iMOW 7. Mehr dazu unter Mähroboter mit Begrenzungskabel. Wie Sie den Draht verlegen, erklärt Begrenzungskabel verlegen; wie Sie einen Bruch finden, Mähroboter-Kabelbruch finden.
Stärken
- Draht: unabhängig von Satellit, Licht und Internet
- RTK: zentimetergenau auf offenen Flächen, systematische Bahnen
- Kamera: keine Antenne, erkennt Hindernisse und Rasenkanten
- LiDAR: funktioniert unter Bäumen und bei wenig Licht
Grenzen
- Draht: Verlegeaufwand, Drahtbruch möglich
- RTK: Abschattung durch Bäume und Gebäude, teils Abo-Kosten
- Kamera: lichtabhängig, Probleme bei ungewöhnlichen Untergründen
- LiDAR: braucht Strukturen in Reichweite, meist teurer
Entscheidungstabelle nach Gartentyp
| Gartentyp | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Offene Rasenfläche, wenig Bäume | RTK (mit Kamera zur Hinderniserkennung) | Freier Himmel, präzise Bahnen |
| Reihenhausgarten zwischen hohen Wänden | LiDAR oder Kamera, RTK nur in Kombination | Abschattung durch Gebäude |
| Garten mit altem Baumbestand | LiDAR + RTK oder Kamera + RTK | Sensorfusion überbrückt Funklöcher |
| Mehrere getrennte Flächen | RTK oder LiDAR mit Zonenverwaltung per App | Zonen ohne Leitdraht verbinden, siehe zwei getrennte Rasenflächen |
| Großes Grundstück über 2.000 m² | RTK mit Netz-RTK oder eigener Station, ggf. LiDAR | Reichweite und systematische Bahnen, siehe große Flächen |
| Kleiner, einfacher Garten mit kleinem Budget | Begrenzungsdraht oder Kamera | Günstig, keine laufenden Kosten, siehe kleine Gärten |
| Schlechter Mobilfunk, kein WLAN am Rasen | Draht, eigene RTK-Station oder LiDAR | Netz-RTK braucht Verbindung |
| Garten ändert sich häufig | Drahtlos (RTK, Kamera, LiDAR) | Grenzen per App anpassen |
Vor dem Kauf prüfen
- Himmel: Stehen Sie an den schattigsten Stellen und schätzen Sie, wie viel Himmel frei ist. Unter dichten Kronen wird RTK allein unzuverlässig.
- Empfang: Prüfen Sie Mobilfunk und WLAN am entferntesten Rasenpunkt, wenn Sie Netz-RTK oder 4G nutzen wollen.
- Folgekosten: Rechnen Sie Abo-Kosten nach der Gratisphase über fünf Jahre mit ein.
- Steigung: Die Navigation hilft nichts, wenn der Antrieb am Hang scheitert. Wie Sie die Steigung korrekt ermitteln, zeigt Steigung richtig messen.
Welche Modelle zu Ihren Angaben passen, ermittelt der Mähroboter-Finder. Wie wir Navigation und Ausstattung einordnen, erklärt Wie wir bewerten.
Unsere Einordnung
Es gibt keine beste Navigation für alle Gärten. RTK ist auf offenen Flächen ungeschlagen präzise, stößt aber unter Bäumen und an Gebäuden an Grenzen. Kamera und LiDAR glänzen in verwinkelten Gärten, LiDAR auch bei wenig Licht. Am robustesten sind Kombinationen aus zwei oder drei Techniken. Der Begrenzungsdraht bleibt eine sinnvolle, günstige Lösung ohne laufende Kosten, wenn Sie den einmaligen Aufwand nicht scheuen. Achten Sie bei Netz-RTK und Mobilfunk unbedingt auf die Kosten nach der Gratisphase.
Häufige Fragen
Funktioniert RTK unter Bäumen?
Nur eingeschränkt. Dichte Baumkronen, Carports und hohe Hauswände schatten das Satellitensignal ab oder erzeugen Reflexionen. Der Roboter verliert dann die zentimetergenaue Position. Modelle, die RTK mit Kamera oder LiDAR kombinieren, überbrücken solche Bereiche besser.
Was ist der Unterschied zwischen eigener RTK-Station und Netzwerk-RTK?
Bei einer eigenen Station steht eine Referenzantenne im Garten, die Strom und freien Himmel braucht. Netzwerk-RTK bezieht die Korrekturdaten über WLAN oder Mobilfunk aus einem Referenznetz. Das spart die Antenne, setzt aber stabilen Empfang voraus und ist je nach Hersteller nach einer Gratisphase kostenpflichtig.
Ist der Begrenzungsdraht noch zeitgemäß?
Ja, für Gärten, die sich selten ändern. Der Draht ist unabhängig von Satellitenempfang, Licht und Internet und verursacht keine laufenden Kosten. Nachteile sind der einmalige Verlegeaufwand, mögliche Drahtbrüche und die meist zufällige Fahrweise.
Verfasst von
Mäh-Robotik RedaktionDie Redaktion pflegt die Produktdatenbank, wertet Herstellerangaben aus und schreibt Kaufberatungen und Ratgeber. Bewertungen entstehen nach der öffentlich dokumentierten Methodik.
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