Zum Inhalt springen
Mäh-Robotik

Zum Beispiel „RTK“, „Mammotion“ oder „Hanglage“.

Navigation & Technik

RTK, Kamera, LiDAR oder Draht?

RTK, Kamera, LiDAR oder Begrenzungsdraht? So funktionieren die Navigationsarten, wo ihre Grenzen liegen und welche Technik zu Ihrem Garten passt.
Von Mäh-Robotik Redaktion

Aktualisiert am

7 Min. Lesezeit

Ein Mähroboter muss zu jeder Zeit wissen, wo die Rasenfläche endet und wo er sich gerade befindet. Dafür gibt es heute vier Ansätze: den klassischen Begrenzungsdraht, satellitengestützte Ortung mit RTK-Korrektur, Kamera-Navigation (Vision) und LiDAR-Laserscanner. Viele aktuelle Modelle kombinieren mehrere davon. Welche Technik zu Ihrem Garten passt, hängt vor allem von Bäumen, Gebäuden, Licht und Mobilfunkempfang ab.

Modelle in der Datenbank
30
Mit Begrenzungsdraht
4
Drahtlos
26
Mit RTK
16
Mit LiDAR
9
Eigene RTK-Station nötig
2

Alle Zahlen beruhen auf Herstellerangaben in unserer Datenbank. Viele Modelle nutzen mehrere Techniken gleichzeitig, deshalb ergeben die Werte zusammen mehr als 26.

So funktionieren die vier Techniken

Begrenzungsdraht

Ein dünnes Kabel wird am Rand der Rasenfläche verlegt oder knapp unter der Grasnarbe eingegraben. Die Ladestation schickt ein schwaches Signal durch den Draht, der Roboter erkennt es über Sensoren und dreht an der Grenze um. Inseln wie Beete oder Bäume werden mit Drahtschleifen ausgespart. Klassische Drahtmodelle fahren meist nach dem Zufallsprinzip, einige ergänzen das durch Systematik.

RTK (Real Time Kinematic)

Normales GPS ist im Garten nur auf einige Meter genau. RTK verbessert die Satellitenposition mit Korrekturdaten einer Referenzstation auf wenige Zentimeter. Die Referenz kann eine eigene RTK-Antenne im Garten sein oder ein Netzwerk-RTK-Dienst, der Korrekturdaten über WLAN oder Mobilfunk liefert. Die Grenzen zeichnen Sie einmal per App ab, indem Sie den Roboter wie ein ferngesteuertes Auto am Rand entlang fahren.

Kamera (Vision)

Eine oder mehrere Kameras erkennen Rasen, Kanten und Hindernisse, meist unterstützt durch KI-Bildauswertung. Reine Vision-Modelle brauchen weder Draht noch Satellitensignal. In unserer Datenbank arbeiten der eufy E18 und der Worx Landroid Vision AI M600 laut Hersteller allein mit Kamera, bei den meisten anderen Modellen ergänzt die Kamera RTK oder LiDAR vor allem zur Hinderniserkennung.

LiDAR

Ein rotierender Laserscanner vermisst die Umgebung in 3D und erstellt daraus eine Karte. Der Roboter ortet sich anhand von Hauswänden, Bäumen, Zäunen und Hecken. LiDAR funktioniert auch bei schwachem Licht und braucht keinen freien Himmel, dafür aber genügend markante Strukturen in Reichweite.

Stärken und Grenzen im Vergleich

KriteriumBegrenzungsdrahtRTKKamera (Vision)LiDAR
InstallationDraht verlegen, je nach Garten mehrere StundenAntenne aufstellen oder Netz-RTK aktivieren, Grenzen per AppGrenzen per App abfahren oder automatischKarte per App erstellen
Bäume und HauswändeKein ProblemAbschattung und Signalreflexionen möglichKein ProblemHilfreich als Orientierung
Offene Fläche ohne StrukturenKein ProblemIdealMeist gutSchwierig, wenig Referenzpunkte
LichtUnabhängigUnabhängigBraucht Tageslicht, Gegenlicht kann störenUnabhängig
BahnenMeist zufälligSystematischSystematischSystematisch
Änderungen am GartenDraht neu verlegenIn der AppIn der AppIn der App
Laufende KostenKeineBei Netz-RTK je nach Hersteller AboKeineKeine (außer optionales Mobilfunk-Abo)
StöranfälligkeitDrahtbruch, z. B. durch VertikutiererEmpfangsprobleme, fehlende KorrekturdatenVerschmutzte Linse, ungewöhnliche FlächenWenig Strukturen, Spiegelungen

RTK im Detail: eigene Station oder Netzwerk-RTK

Bei der klassischen Variante steht eine Referenzantenne im Garten, idealerweise erhöht und mit freiem Blick zum Himmel, etwa auf dem Garagendach. Sie braucht Strom und muss Funkkontakt zum Roboter haben. In unserer Datenbank benötigen nur der Ecovacs GOAT O800 RTK und der Kärcher RCX 4 laut Hersteller zwingend eine eigene RTK-Station.

Beim Netzwerk-RTK kommen die Korrekturdaten aus einem Netz von Referenzstationen und gelangen über Internet zum Roboter. Das spart die Antenne, setzt aber stabilen Empfang voraus. Wichtig sind die Konditionen, die sich je nach Hersteller deutlich unterscheiden:

Modell (Datenbank)Netz-RTK und Mobilfunk laut Hersteller
Sunseeker Elite X5 Gen 2NetRTK+ 4G-Abo 24 Monate inklusive, danach 49 € pro Jahr
Sunseeker Elite X7 Gen 22 Jahre inklusive (X7 Plus Gen 2: 5 Jahre), danach 49 € pro Jahr
Segway Navimow i220 LiDAR Pro, X420Netzwerk-RTK ohne Zusatzkosten, Mobilfunk (Connect+) 1 Jahr kostenlos, danach 29,90 € pro Jahr laut Datenblatt
Mammotion LUBA 3 AWD 5000NetRTK über iNavi laut Hersteller lebenslang kostenlos, 4G-Daten 3 Jahre inklusive, danach Abo

Lesen Sie bei Netz-RTK genau, ob nach der Gratisphase nur Komfortfunktionen wegfallen oder ob der Roboter ohne Abo nicht mehr navigieren kann. Modelle, die ohne eigene Antenne auskommen, finden Sie unter Mähroboter ohne RTK-Station, Geräte mit SIM-Modul unter Mähroboter mit Mobilfunk.

RTK unter Bäumen und an Hauswänden

RTK braucht Sichtkontakt zu möglichst vielen Satelliten. Dichte Baumkronen, Carports, schmale Durchgänge zwischen Häusern und hohe Wände schatten das Signal ab oder erzeugen Reflexionen. Der Roboter verliert dann die zentimetergenaue Position (oft als „Float“ statt „Fix“ in der App angezeigt) und stoppt oder fährt langsamer. Reine RTK-Systeme sind deshalb in stark verschatteten Gärten die schlechteste Wahl, Kombinationen mit Kamera oder LiDAR überbrücken solche Zonen.

Kamera und LiDAR: Stärken im verwinkelten Garten

Kamera und LiDAR orientieren sich an der Umgebung selbst. Genau dort, wo RTK Probleme hat, also unter Bäumen und dicht an Gebäuden, finden sie die meisten Anhaltspunkte. Unterschiede gibt es beim Licht: Eine Kamera braucht ausreichend Helligkeit und kann bei tief stehender Sonne, starkem Schattenwurf oder in der Dämmerung unsicherer werden. LiDAR misst aktiv mit Laser und ist von Tageslicht weitgehend unabhängig. Da Mähroboter aus Rücksicht auf Igel ohnehin tagsüber fahren sollten, ist die Lichtabhängigkeit der Kamera in der Praxis meist zweitrangig (siehe Igelschutz und Nachtmähverbot).

Schwachstelle von LiDAR sind große, strukturlose Flächen, etwa eine Wiese ohne Bäume und Zäune in Reichweite. Viele Hersteller kombinieren LiDAR deshalb mit RTK: In unserer Datenbank nutzen der Segway Navimow i220 LiDAR Pro, der Mammotion LUBA 3 AWD 5000 und der Ecovacs GOAT O800 RTK laut Hersteller alle drei Techniken. Eine Übersicht bieten Mähroboter mit LiDAR und Mähroboter mit Kamera.

Illustration: Segway Navimow i220 LiDAR Pro
Segway Navimowi220 LiDAR ProOhne Kabel (LiDAR + RTK-GNSS + Kamera/KI) · bis 2.000 m² · bis 55 % Steigung · Liste 1.999 €8,8/10

Begrenzungsdraht: altmodisch, aber verlässlich

Der Draht hat keine Empfangsprobleme, keine Lichtabhängigkeit und keine Abo-Kosten. Er eignet sich besonders für Gärten, die sich selten ändern, und für Besitzer, die einmalig Arbeit investieren und danach Ruhe haben wollen. Nachteile sind der Verlegeaufwand, die Gefahr von Drahtbrüchen bei Gartenarbeiten und die meist zufällige Fahrweise, die sichtbare Streifenmuster verhindert, aber mehr Laufzeit braucht. In unserer Datenbank sind vier reine Drahtmodelle gelistet, darunter der Husqvarna Automower 315 Mark II und der Stihl iMOW 7. Mehr dazu unter Mähroboter mit Begrenzungskabel. Wie Sie den Draht verlegen, erklärt Begrenzungskabel verlegen; wie Sie einen Bruch finden, Mähroboter-Kabelbruch finden.

Stärken

  • Draht: unabhängig von Satellit, Licht und Internet
  • RTK: zentimetergenau auf offenen Flächen, systematische Bahnen
  • Kamera: keine Antenne, erkennt Hindernisse und Rasenkanten
  • LiDAR: funktioniert unter Bäumen und bei wenig Licht

Grenzen

  • Draht: Verlegeaufwand, Drahtbruch möglich
  • RTK: Abschattung durch Bäume und Gebäude, teils Abo-Kosten
  • Kamera: lichtabhängig, Probleme bei ungewöhnlichen Untergründen
  • LiDAR: braucht Strukturen in Reichweite, meist teurer

Entscheidungstabelle nach Gartentyp

GartentypEmpfehlungBegründung
Offene Rasenfläche, wenig BäumeRTK (mit Kamera zur Hinderniserkennung)Freier Himmel, präzise Bahnen
Reihenhausgarten zwischen hohen WändenLiDAR oder Kamera, RTK nur in KombinationAbschattung durch Gebäude
Garten mit altem BaumbestandLiDAR + RTK oder Kamera + RTKSensorfusion überbrückt Funklöcher
Mehrere getrennte FlächenRTK oder LiDAR mit Zonenverwaltung per AppZonen ohne Leitdraht verbinden, siehe zwei getrennte Rasenflächen
Großes Grundstück über 2.000 m²RTK mit Netz-RTK oder eigener Station, ggf. LiDARReichweite und systematische Bahnen, siehe große Flächen
Kleiner, einfacher Garten mit kleinem BudgetBegrenzungsdraht oder KameraGünstig, keine laufenden Kosten, siehe kleine Gärten
Schlechter Mobilfunk, kein WLAN am RasenDraht, eigene RTK-Station oder LiDARNetz-RTK braucht Verbindung
Garten ändert sich häufigDrahtlos (RTK, Kamera, LiDAR)Grenzen per App anpassen

Vor dem Kauf prüfen

  • Himmel: Stehen Sie an den schattigsten Stellen und schätzen Sie, wie viel Himmel frei ist. Unter dichten Kronen wird RTK allein unzuverlässig.
  • Empfang: Prüfen Sie Mobilfunk und WLAN am entferntesten Rasenpunkt, wenn Sie Netz-RTK oder 4G nutzen wollen.
  • Folgekosten: Rechnen Sie Abo-Kosten nach der Gratisphase über fünf Jahre mit ein.
  • Steigung: Die Navigation hilft nichts, wenn der Antrieb am Hang scheitert. Wie Sie die Steigung korrekt ermitteln, zeigt Steigung richtig messen.

Welche Modelle zu Ihren Angaben passen, ermittelt der Mähroboter-Finder. Wie wir Navigation und Ausstattung einordnen, erklärt Wie wir bewerten.

Unsere Einordnung

Es gibt keine beste Navigation für alle Gärten. RTK ist auf offenen Flächen ungeschlagen präzise, stößt aber unter Bäumen und an Gebäuden an Grenzen. Kamera und LiDAR glänzen in verwinkelten Gärten, LiDAR auch bei wenig Licht. Am robustesten sind Kombinationen aus zwei oder drei Techniken. Der Begrenzungsdraht bleibt eine sinnvolle, günstige Lösung ohne laufende Kosten, wenn Sie den einmaligen Aufwand nicht scheuen. Achten Sie bei Netz-RTK und Mobilfunk unbedingt auf die Kosten nach der Gratisphase.

Häufige Fragen

Funktioniert RTK unter Bäumen?

Nur eingeschränkt. Dichte Baumkronen, Carports und hohe Hauswände schatten das Satellitensignal ab oder erzeugen Reflexionen. Der Roboter verliert dann die zentimetergenaue Position. Modelle, die RTK mit Kamera oder LiDAR kombinieren, überbrücken solche Bereiche besser.

Was ist der Unterschied zwischen eigener RTK-Station und Netzwerk-RTK?

Bei einer eigenen Station steht eine Referenzantenne im Garten, die Strom und freien Himmel braucht. Netzwerk-RTK bezieht die Korrekturdaten über WLAN oder Mobilfunk aus einem Referenznetz. Das spart die Antenne, setzt aber stabilen Empfang voraus und ist je nach Hersteller nach einer Gratisphase kostenpflichtig.

Ist der Begrenzungsdraht noch zeitgemäß?

Ja, für Gärten, die sich selten ändern. Der Draht ist unabhängig von Satellitenempfang, Licht und Internet und verursacht keine laufenden Kosten. Nachteile sind der einmalige Verlegeaufwand, mögliche Drahtbrüche und die meist zufällige Fahrweise.

Verfasst von

Mäh-Robotik Redaktion

Die Redaktion pflegt die Produktdatenbank, wertet Herstellerangaben aus und schreibt Kaufberatungen und Ratgeber. Bewertungen entstehen nach der öffentlich dokumentierten Methodik.

Aktualisiert am

Mehr für Garten und Terrasse

Aus unseren weiteren Vergleichsportalen – gleicher Betreiber, gleiche Methodik.